„Ein kluger Hund bellt nie ohne Grund“

Als Bounty so 6 Monate alt war, bis sie ca. 2 Jahre alt war, hat sie oft fremde Menschen angebellt.
Menschen mit Hüten, mit langen Mänteln oder dicken Jacken, Menschen die komisch laufen, stark humpeln oder schnell rennen, Menschen die besonders groß waren oder kleine Kinder. Außerdem fand sie Kinderwägen, Einkaufswägen oder andere ‚Wägen‘ komisch.

artwrk Bounty stehend

Klar habe ich ihr manchmal das Maul zugehalten, sie weggedreht, sie auf ihren Platz zurück verwiesen oder bin mit ihr in ein anderes U-Bahn Abteil gegangen aber wirklich geschimpft habe ich sie deswegen nie. Sie ist ein Dobermann und diese Rasse wurde dafür gezüchtet sein Herrchen vor allem zu Beschützen was ungewöhnlich ist oder bedrohlich scheint und das mit allen Mitteln.
Als junger Hund weiß sie nicht was ’normal‘ und was ‚gefährlich‘ ist. Die Hunde werden in unsere ‚Menschenwelt‘ gezogen und müssen plötzlich verstehen, dass kleine, schreiende Kinder nichts bedrohliches sind, das Menschen mit Hut keine Gefahr sind und das es normal ist, dass manche Menschen rennen, humpeln oder schlurfen.

Da ich Bounty immer in der Arbeit dabei habe, sind wir nicht drumherum gekommen täglich mit den öffenltichen Verkehrsmitteln zu fahren. Der Leckerliebeutel hing stets an meiner Hose oder an meiner Handtasche um Bounty zu belohnen wenn sie ‚kritische‘ Situationen gut meisterte. Wenn ich vorab merkte, dass Personen oder Situationen näher kamen, bei denen Bounty noch unsicher war habe ich sie mit Tricks beschäftigt oder anders abgelenkt.

Inzwischen ist Bounty in den Öffentlichen absolut entspannt drauf. Egal wie voll es ist, sie würde sich am liebsten immer auf den Boden quetschen und dösen. Egal was sie sieht, es wird im ’schlimmsten Fall‘ beeugt und beobachtet. Selbst wenn die S- oder U-Bahn so voll ist, das man sich nicht mal um die eigene Achse drehen kann, dann steht sie da, zwischen den ganzen Menschen und es juckt sie nicht.

Manche werden jetzt vielleicht denken, dass sie abgestumpft ist, dass ihr typisches Dobermann Wesen ‚gebrochen‘ wurde, dem ist aber nicht so.

Bounty Portrait

Manchmal, ganz selten, treffen wir noch auf Personen, die ihr ganz und gar nicht geheuer sind und das zeigt sie dann auch. Falls es mal zu einer Konfrontation kommt und mir jemand zu nahe kommt, dann ist sie die Erste die dazwischen steht und ihren Vorfahren alle Ehre macht!

Sie hat inzwischen gelernt wann sie sich ruhig verhalten soll und wann sie mit einschreiten oder ihre Meinung vertreten darf. In solchen Fällen hat sich inzwischen auch ein „Ritual“ eingeschlichen, das ich sehr angenehm finde. Bounty sieht etwas oder jemanden der ihr nicht geheuer ist, sie sucht kurz Blickkontakt mit mir. Wenn sie dann merkt, dass ich die „Gefahr“ ebenfalls wahrgenommen habe ist sie vorerst beruhigt, aber trotzdem noch sehr aufmerksam. Wenn ich die „Gefahr“ noch nicht bemerkt habe, oder ihre Anzeichen nicht richtig deute, zeigt sie mir genauer was sie denkt und die „Gefahr“ wird verbellt. Spätestens dann ist meine volle Aufmerksamkeit bei Ihr. Ich nehme sie dann etwas zu mir, hinter mich oder schirme sie etwas ab, sodass ich ihr zeige: „Okay, danke hab’s gesehen. Ich beurteile die Situation weiter.“ Dann ist sie ruhig und hat ihre Aufgabe erledigt. In den seltensten Fällen, gibt sie weiterhin „Töne“ von sich und zeigt mir, dass sie ganz und gar nicht mit der Situation einverstanden ist. Das sind meist Fälle wenn es um Betrunkene oder laute Menschen geht, worüber ich aber nicht traurig bin. In solchen Situationen darf Bounty durchaus ihre Präsenz zeigen.

Bounty ist immer noch ein Hund, ein Dobermann, ein Gebrauchshund und das darf sie auch sein.

Bountys einmaliger Ausdruck