Meine Ausbildung zur Hundetrainerin bei Ziemer und Falke

Wie es dazu kam:

Wer direkt zu den sachlichen Themen kommen möchte, muss nur etwas nach unten scrollen zu „Inhalt der Ausbildung“.

Schon immer, beschäftige ich mich mit Hunden. Zuerst die Hunde aus der Familie, dann kamen die Nachbarshunde dazu, dann Bounty und Nacho. Ich ging mit ihnen spazieren und liebte es mich mit ihnen zu beschäftigen. Die Hündin „Kimbi“ von meinem Papa startete somit mit ca. 8 Jahren (damals war ich ca. 11) noch ihre Trickdog-Karriere und lernte die verschiedensten Tricks. Bounty wurde auch ein kleiner Trickdog und wir hatten super viel Spaß daran gemeinsame Dinge auszuprobieren. Unter anderem probierten wir verschiedene Hundesportarten aus wie Mantrailen, THS (TurnierHundeSport), Agility, Unterordnung, Schutzhundedienst und Zughundesport. Ich habe ihr viele Tricks gelernt und wir haben uns durch das Thema „Grunderziehung“ geschlagen, wo sie kaum einen Themenbereich ausließ. Stubenreinheit, Menschen anbellen, „jagen“, Trennungsangst, pöbeln an der Leine, etc. auch wir haben so einiges durch gemacht. Dann zog der einjährige Dobermann Nacho zu mir und stellte mich wieder vor ganz andere Herausforderungen. Durch ihn musste ich mich noch intensiver mit der Psyche der Hunde beschäftigen. Mit ihm habe ich vielleicht weniger Themen als mit Bounty, dafür sind die, die wir haben durchaus intensiver. Sie hatte auch ihre Pöbelphase, die Hintergründe und Intensionen der Beiden waren jedoch komplett andere. Bounty probierte sich aus, sie reagierte eigentlich immer angemessen, kannte von klein auf den Kontakt mit anderen Hunden. Nacho reagierte oft aus Unsicherheit und Angst, wusste nicht wie er mit gewissen Situationen umgehen sollte und war der Meinung, dass Angriff die beste Verteidigung war. Nicht nur in Bezug auf andere Hunde.

Durch ihn fing ich noch intensiver an mich mit dem Thema Hund, Hundeerziehung und -psyche zu beschäftigen. Ich las sehr viel, sah mir unterschiedliche „Methoden“ an und wendete das an, was meinem Bauchgefühl, logischem Denken, Menschenverstand und meinen Erfahrungen nach zusagte.

Schon vor Nacho schlich sich immer wieder der Gedanke „Hundetrainerin“ in meinen Kopf. Allerdings war ich mit meinem 40h Job, ein bis zwei Hunden, Hundesport und Freizeit durchaus gut bedient. Die Ausbildung dauerte in der Regel, über ein Jahr und ein weiterer (nicht unwichtiger) Punkt, war das Geld. Diese Ausbildung ist mit ca. 3.000 – 6.000 € nicht gerade günstig.

Somit blieb der Gedanke lange nur als Traum in meinem Kopf.

2019 fing ich dann jedoch mehr an mich mit dem Thema „Ausbildung zur Hundetrainerin“ zu beschäftigen und kam dann auch schnell auf „Ziemer und Falke“, nahm an dem Info Webinar Teil und gegen Ende / Mitte des Jahres 2019 wurde von Z&F ein Stipendium vergeben. Man sollte eine Bewerbung schreiben und konnte dadurch einen kostenfreien Ausbildungsplatz ergattern. Diese Chance wollte ich nutzen und bewarb mich! Nun ja, gewonnen habe ich leider nicht, allerdings ging einige Zeit später eine Mail an die Bewerber mit einem Rabattcode für die Ausbildung raus.

So wie ich bin, habe ich wieder hin und her überlegt, Pro und Kontra, mir über die Kosten Gedanken gemacht. Die Zeit, die ich aufwenden muss, die damit verbundene Arbeit, der Nutzen, etc. so lange bis ich keine Lust mehr hatte mir den Kopf darüber zu zerbrechen… Wenn es so weit bei mir ist, bin ich entweder so genervt, dass ich alles „ad acta“ lege oder dann ohne weiter darüber nachzudenken einfach mache. Nun ja, wie es weiter ging könnt ihr euch denken.

Meine „Ausrede“ war dann: Es wird ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Das Jahr 2019 startete durch meine Fußverletzung nicht sonderlich gut, also muss das Jahr wenigstens ein gutes Ende haben! Außerdem: wenn nicht jetzt, wann dann…!

So schnell bin ich dann knapp 3.500€ los geworden. 

Inhalt der Ausbildung:

Am 17.12.2019 bekam ich die Zugänge für die Lernplattform, wurde kurz darauf für das erste Skript freigeschaltet und mein neues Abenteuer konnte beginnen.

Zur Auswahl standen (vor der Buchung) der „Hundetrainer Plus“ er beinhaltet feste Gruppen und Termine, im Seminar gemeinsames Lernen und 12x 2 Praxistage und der „Hundetrainer@Home“ er beinhaltet Theorie und Praxis, selbstständiges Lernen, freie Zeiteinteilung und 7x 2 Praxistage.

Da ich die Ausbildung neben meinem 40h Job machen und flexibler sein wollte, entschied ich mich für den „Hundetrainer@Home“. Inzwischen hat Z&F auch noch weitere Angebote zur Trainerausbildung.

12 Monate lang, wurde mir jeden Monat eine Lektion freigeschaltet. Diese Lektionen bestanden aus 1-5 Kapitel mit vielen kurzen Video Clips, Hausaufgaben und teilweise waren Übungsblätter zum Ausfüllen dabei. Außerdem gehörten 7x 2 Praxistage dazu. Hier wurden verschiedene praktische Themen wie: Lenken und Grenzen setzten, Nimm-Nein-Spiel, Deckentraining, Schleppleinen-, Flatterband-, Orientierungstraining, Nasenarbeit, Gruppen und Einzelstunden Gestalten und noch vieles mehr behandelt.

Z&F hat in ganz Deutschland verschiedene Schulungszentren und die Seminare kann man sich an beliebigen Standorten buchen. Pro Seminar waren bis zu 7 Teilnehmer dabei und man konnte die Ausbildung beginnen wann man wollte.

Hier eine kleine Übersicht der Themenbereiche der Hundetrainerausbildung:

Ziele im Hundetraining, Motivation, Lernformen, Gedächtnis, Verstärker und Strafen, Ethologie, Verhalten, Sozialstrukturen, Verhaltensontogenese, Welpenzeit, Ausdrucksverhalten, Agonistik, Aggression, Kommunikation des Hundes, Jagdverhalten, Mensch-Hund-Verhältnis, das Training und verschiedene Methoden, Interventionstechniken, Gruppenstunden und Einzelstunden, Gesundheit, verschiedene Krankheiten, Parasiten, Rassekunde, Genetik, Gesetze, Recht, sowie Infos zur Prüfung und der Existenzgründung und noch so vieles mehr!

Alles in wundervoll aufbereiteten Skripten, die sehr schön zum Lesen und Lernen sind. Manchen Themen wurden mit Bildern veranschaulicht oder zur Auflockerung verziert. Immer wieder mit Infoboxen und wichtige Begriffe herausgehoben dargestellt. Außerdem sind in den Skripten viele kurze Videos zur Erklärung und Veranschaulichung mit eingebaut. Ich habe mir alle Skripte ausgedruckt und es sind zwei volle DinA-4 Ordner geworden. Aber die Plattform kann noch mehr:

Es gibt ein Verzeichnis an sehr interessanten Webinaren und dem „Talk mit Tina“, die meist 1-2 h gehen, eine Testprüfung, ein Forum zum Austausch und man erhält einen Zugang zu „mydog365-Akademie“ eine sehr informative Plattform mit tollen Infos, Basistrainings, Workshops, Live-Sessions und Beschäftigungstipps.

Die Ausbildung ist für 12 Monate angesetzt, man kann sie gegen einen Aufpreis aber nochmal verlängern, um die Vorteile noch länger zu nutzen.

Die Kosten:

Die Hundetrainer@Home Ausbildung kostet bei der Einmalzahlung, ca. 3.830€, man kann sie jedoch auch per Ratenzahlung bezahlen. Nähere Infos dazu hier…

Die Praxistage sind mit inbegriffen, jedoch kostet die Prüfung nochmal extra. Wenn man diese bei Z&F absolvieren möchte kostet das nochmal ca. 400€ – 550€. Man kann die Prüfung aber auch bei seinem zuständigen Veterinäramt vor Ort machen. Wenn man nicht als Hundetrainer arbeiten möchte (ja, man kann die Ausbildung auch einfach „für sich“ machen) muss man natürlich auch keine Prüfung absolvieren.

Nicht zu vergessen sind die anfallenden Kosten „Rund um die Seminartage“ evtl. Übernachtungen, Fahrtkosten, Verpflegung, etc.

Die Prüfung:

Ich habe die Prüfung bei Z&F absolviert. Warum…? Dazu später mehr…

Die Prüfung bei Ziemer und Falke kann man mit oder ohne Veterinär absolvieren. Je nachdem welche Anforderung die eigene Gemeinde stellt.

Es gibt einen schriftlichen Teil: dieser besteht aus ca. 160 Fragen, hauptsächlich multiple choice, dafür hat man 3h Zeit. Hier müssen mindestens 82% der Fragen richtig beantwortet sein, sonst gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Dann gibt es noch einen praktischen Teil mit Fachgespräch: dieser Teil dauert ca. eine Stunde. 45 Minuten dauert das Praktische Training, hier bekommt man ein Hund-Mensch Team gestellt und muss als Trainer ein Training absolvieren. Im Anschluss dann das Fachgespräch, dieses geht ca. 15 min und jeder Prüfer stellt ein paar Fragen. Diese können sich auf das praktische Training zuvor beziehen oder ein ganz anderes Thema betreffen.

Man kann in allen drei Teilen einzeln durchfallen, in der Theorie, der Praxis und dem Fachgespräch. Das heißt auch, dass man gegebenenfalls nur den Teil wiederholen muss, in dem man durchgefallen ist. Nicht das Gesamtpaket.

Voraussetzungen:

Theoretisch brauchst du keine Voraussetzungen, um die Hundetrainerausbildung zu machen. Ein bisschen Geld auf dem Konto und den Willen es durchzuziehen sollten jedoch vorhanden sein, denn „einfach so nebenbei“ sollte man das, meiner Meinung nach, nicht machen.

Ich persönlich würde empfehlen, bereits Hundeerfahrung gesammelt zu haben. Am besten einen eigenen Hund (mit dem ein oder andern Problemchen), mit dem man die Themen selbst behandeln, beobachten und ausprobieren kann.

Man sollte gerne mit Hunden arbeiten, aber fast noch lieber, mit dem Menschen! „Hundetrainer sind Menschentrainer“ wie man so schön sagt. Wir trainieren selten direkt mit den Hunden… Meist erklären wir den Besitzern wie sie mit ihren Hunden trainieren sollen. Geben Tipps und Tricks , erklären was dies und jenes beim Hund bedeutet und wie man sich in bestimmten Situationen am besten verhält.

Nun zu meiner Ausbildung:

Da ich jeden Monat eine Lektion freigeschaltet bekam, war mein Plan auch jeden Monat diese entsprechende Lektion zu lesen und die zugehörigen Hausaufgaben zu machen. Kurz nach Beginn der Ausbildung, also Anfang 2020 hatte ich fast alle meiner 7 Praxistage gebucht, sodass ich gegen Mitte des Jahres damit durch gewesen wäre. Wie es dann kam muss ich vermutlich nicht groß erklären. Corona hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und nach und nach wurden alle Praxistage abgesagt.

In der zweiten Jahreshälfte konnte ich dann allerdings alle Seminare nachholen und buchte die 7 Stück in den zwei nächsten Schulungsstandorten von mir aus (Steinhöring bei München und Crottendorf). Die meisten habe ich am Standort bei München gemacht und zwei Mal bin ich nach Crottendorf gefahren. Warum ich nicht alle Termine an einem Standort gemacht habe? Ich wollte alle Seminare in der zweiten Jahreshälfte abschließen, um die Ausbildung nicht in die Länge zu ziehen. Allerdings waren die Termine wegen der aktuellen Situation rar. Außerdem fand ich es gut, von verschiedenen Dozenten zu lernen.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich schon so einiges von der Theorie durchhatte, bevor ich in die Praxis ging, dadurch konnte ich das Hintergrundwissen bereits verinnerlichen und war viel besser vorbereitet.

An den Seminartagen wurden zuerst die anstehenden Themen besprochen, Theorie wiederholt und im Anschluss ging es an die Praxis. Oft wurden auch Probleme, Erlebnisse oder Themen der Teilnehmer besprochen, was auch immer sehr interessant war. Man konnte sich prima austauschen, Lösungsansätze diskutieren und wenn man sich öfter sah, die Entwicklungen verfolgen. Auch konnte man bei Fragen zu den Skripten immer mit den Dozenten sprechen oder sich per Mail an Z&F wenden.

Mein Ziel, jeden Monat eine Lektion zu bearbeiten ging zu meinem Erstaunen sehr gut auf, wenn ich regelmäßig las war ich meist nach ca. drei Wochen mit dem Stoff durch. Zu Schulzeiten viel mir das Lernen um einiges schwerer, aber das lag wohl an den Themen. Ich las jedes Kapitel aufmerksam und markierte mir wichtige Absätze, sah mir die dazugehörigen Videos an, machte die Übungen, versuchte das Gelesene bei meinen Hunden zu beobachten, auszulösen oder übte Dinge aus diesen Bereichen. Bei dieser Ausbildung habe ich alles verschlungen! Parallel zu den Skripten habe ich auch viele Bücher gelesen rund um das Thema Hund, ich konnte nicht genug bekommen. Vor den Praxistagen las ich mir manchmal die entsprechenden Teile aus den Skripten nochmal durch.

Im Oktober neigten sich die Praxistage dem Ende und ich fing an mir über die Prüfung Gedanken zu machen. Mein Plan war, die Prüfung Anfang des Jahres 2021 zu machen. So hatte ich nach den Skripten (im Dezember sollte ich mein letztes Skript bekommen) noch 1-2 Monate Zeit alles intensiv zu wiederholen.

Es wird ernst:

Nun stand die Frage im Raum, wo ich die Prüfung machen wollte, beim zuständigen Vet-Amt meines Wohnortes oder bei Ziemer & Falke direkt. Ich entschied mich für die Prüfung bei Ziemer & Falke direkt. Ich wollte „Alles aus einer Hand“ haben, das Zertifikat von Ziemer & Falke, die Prüfung war deshalb keineswegs einfacher, aber ich konnte mir sicher sein, dass ich alles schon mal gelesen hatte (bzw. haben sollte 😉). Bei der Prüfung dort konnte man alles an einem Wochenende abschließen, bei Vet-Ämtern werden die Prüfungen oft an weiter auseinander liegenden Zeitpunkten geprüft. Allerdings musste ich dafür zuerst bei meinem zuständigen Vet-Amt anfragen, ob sie die Prüfung von Ziemer & Falke auch anerkennen. Dies taten sie, unter der Voraussetzung, dass ein Veterinärstierarzt die Prüfung mit abnehmen musste.

So, dann sah ich mich nach Terminen Anfang des Jahres um und Corona machte sich mal wieder bemerkbar… Es waren bis Juli 2021 alle Termine ausgebucht! Nur im Oktober und November 2020 waren noch Termine frei. Da in der ersten Jahreshälfte 2020 so viel ausgefallen war, waren die restlichen Termine leider alle ausgebucht. Nach Rücksprache mit Ziemer & Falke wurde ich dann informiert, dass sie momentan dabei sind mehr Prüfungstermine zu organisieren. Also hatte ich zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Erstens: Ich schaue alle paar Tage in das Buchungssystem um ggf. Absagen oder neue eingestellte Termine zu erwischen, das war aber natürlich nicht garantiert und wenn ich Pech hatte wäre die Prüfung dann sehr spontan oder wirklich erst im Laufe des nächsten Jahres.
Oder zweitens: Ich buche den letztmöglichen Termin im November 2020.
Ohne Planung kann ich nicht arbeiten und werde unglaublich gestresst, außerdem wollte ich keinesfalls bis Mitte nächstes Jahr mit meinem Abschluss warten. Somit war meine Entscheidung klar.

Ich buchte die Prüfung am 21. & 22. November 2020.

Die letzte Lektion lies ich mir vorzeitig freischalten, was Gott sei Dank kein Problem war. Ich hatte noch etwas über 4 Wochen Zeit nochmal alles durchzugehen und mich auf die Prüfung vorzubereiten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich den Stoff nicht eh schon stetig gelernt, hätte.

Die nächsten Wochen beinhalteten also jede Menge lernen… pro Tag saß ich ca. 2h über den Skripten und Quizzen, die ich mir zur Lernunterstützung gekauft hatte. Ich machte alle Hausaufgaben nochmal, sah mir viele Videos nochmals an und versuchte alles zu wiederholen. Zwei DINA 4 Ordern an Stoff hatte ich durchzuarbeiten. An meinem letzten Praxisseminar klärten wir meine offenen Fragen und spielten Prüfungssituationen durch. Das hat mir nochmal sehr geholfen. Hier gilt mein großer Dank an Andi von der Hundeschule Wullittels.

Das Prüfungs-Wochenende:

Dann war es so weit… Am Donnerstag den 19.11.2020 ging es für 735 km ins Auto in Richtung Bremen! Ich hatte mir ein Hotel genommen und kam nach einem Zwischenstopp nachmittags dort an.

Freitagmorgen von 9:30 – 12:30 war dann die schriftliche Prüfung. Abgesehen von meiner unmenschlichen Aufregung und Puls von 150, war es eine sehr angenehme Atmosphäre. Wir waren ca. 11 Teilnehmer, drei davon haben die Prüfung zum Ernährungsberater gemacht, wir anderen die Hundetrainerprüfung. Bei der Vorbereitung hieß es immer, wir haben 3h für die Prüfung Zeit, normalerweise wäre man nach 1h aber bereits fertig. Nachdem ich erst nach 1:20 Stunden erst alle Fragen beantwortet hatte, war ich schon etwas nervös. Jedoch saßen alle anderen Teilnehmer auch noch an ihren Plätzen und jeder war in seine Arbeit vertieft. Ich prüfte alle knapp 160 Fragen nochmal eingehend und so verstrich nochmal eine Stunde! Da nur zwei von den acht Teilnehmern vor mir die Prüfung abgaben, ließ ich mich auch nicht weiter beunruhigen.

Ob alle so lange saßen, weil sich niemand traute als Erster abzugeben? 😉

Am Samstag von 13:30 – 14:30 stand dann meine praktische Prüfung an. Wir trafen uns zuerst in einem Seminarraum und der Ablauf wurde kurz besprochen. Dann sollte ich mit meinem Kunden-Team starten. Struktur gibt Sicherheit, nicht nur den Hunden. Gedanklich malte ich mir ein Kreuz auf, in dem ich die 4 Abschnitte des Trainings unterteilte: zuerst die Anamnese (Gesundheitszustand, Alter, Name, Aktivitätsstatus, etc.), dann die Definition des Feinziels (was?, wann?, wie lange?, wo? soll der Hund das Verhalten zeigen) und noch das Training an sich (natürlich kann man in dieser kurzen Zeit nicht das perfekte Endergebnis zaubern, es sollte jedoch ein messbarer Unterschied zu sehen sein).

Mein Hund-Mensch-Team wollte das Platz generalisieren. Ich machte die Anamnese, definierte das genaue Feinziel und dann ging es auf den Hundeplatz nach draußen. Dort fragte ich den „ist-Zustand“ ab und wir machten ein paar Übungen. Beim Training leitete ich die „Kundin“ an, was sie tun und wie sie sich am besten verhalten sollte. Nach ca. 20 Minuten Training baten die Prüfer mich zum Ende zu kommen und ich besprach die Hausaufgaben mit ihr.

Wieder im Seminarraum stellte jede der Prüferinnen noch ein paar Fragen. Zu Welpengruppen, dem Zahnen, dem Tierschutzgesetzt und der Tierschutzhundeverordnung, Abbruch- und Korrektursignalen sowie zum Thema Stress beim Hund.

Dann musste ich für ein paar Minuten den Raum verlassen und als ich wieder eintreten durfte bekam ich großes Lob und Glückwünsche zur bestanden Prüfung.

Dann musste ich für ein paar Minuten den Raum verlassen und als ich wieder eintreten durfte bekam ich großes Lob und Glückwünsche zur bestanden Prüfung.

Logo Hundetrainerausbildung von Ziemer-Falke

Wie es bei mir weiter geht?

Aktuell ist mein Zertifikat bei dem Veterinärsamt meiner Gemeinde und ich bin dabei ein Kleingewerbe anzumelden.

JA – ich möchte als Hundetrainerin arbeiten.

Ich hoffe, dass der Bürokram und das rechtliche Zeugs dazu Anfang 2021 erledigt sind und ich dann im neuen Jahr meine eigene kleine Hundeschule eröffnen kann. Ich werde keinen Hundeplatz haben, sondern arbeite mobil mit meinen Kunden. Geplant sind Zughundetrainings, Einzelstunden, Gruppenspaziergänge, Lauftreffs und vielleicht kommt noch das Ein oder Andere dazu. Mal sehen.

Warum muss man überhaupt eine Ausbildung machen um Hunde und Hund-Mensch-Teams trainieren zu dürfen?

Dazu gibt es einen Abschnitt im Tierschutzgesetzt, den berühmt berüchtigten §11. Dieser regelt, dass bestimmte Tätigkeiten nur nach ausdrücklicher Erlaubnis durch das Veterinäramt durchgeführt werden dürfen.

Unter die Erlaubnispflicht fallen z.B.: Das Betreiben eines Tierheims, Tierpension, o.ä. Zoos und andere Einrichtungen in denen Tiere zur Schau gestellt werden, Hundeausbildung, Gewerbsmäßiges Züchten von Tieren, gewerbsmäßiger Handel mit Wirbeltieren, und noch ein paar mehr.

Um diese Erlaubnis zu erhalten muss man belegen können, dass man eine Sachkunde für diese betreffende Tierart besitzt. Damit soll das Wohlbefinden, der tiergerechte Umgang und nötiges Fachwissen belegt werden.

Ziel der Prüfung ist der Nachweis, der Sachkunde für Hundetrainer nach §11 Ab.1 Nr. 8f.

Um dies belegen zu können muss man eine Prüfung bei dem zuständigen Veterinäramt machen, oder eine Prüfung, die von den zuständigen Veterinäramt anerkannt wird. Sprich: du musst keine Ausbildung machen, sondern kannst (theoretisch, wenn dein Vet Amt das zulässt) die Prüfung, ohne eine vorherige Ausbildung ablegen. Nur erfüllt das meiner Meinung nach nicht den Zweck der Sache! Abgesehen davon, dass man für die Prüfung durchaus viel lernen und wissen muss, soll diese ja auch sicherstellen, dass man sich intensiv und ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat, bevor man als z.B. Hundetrainer seinen neue Berufsweg einschlägt und andere Menschen mit ihren Hunden anleitet. Es geht nicht darum wie man einem Hund „sitz“ und „platz“ lernt, es geht darum die Psyche des Hundes zu verstehen, einem Hund-Mensch-Team mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und nach bestem Wissen und Gewissen dieses zum kompletten Thema „Hund“ zu unterstützen. Dazu zählt es auch, seine Grenzen zu kennen.